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„Bald komme ich in die Schule“

Sicher wollen Sie gern wissen, welche Möglichkeiten besonders die angehenden Schulkinder haben, sich im Kindergarten zu stärken, Fertigkeiten zu erlangen und sich entsprechend ihrer Fähigkeiten zu erproben.

Nach den Sommerferien bahnt sich bei den Fünf- bis Sechsjährigen eine deutliche Veränderung der Bedürfnisse an. Sie möchten im Freispiel planvoll agieren und die Rolle des Anführers übernehmen, denn nun sind sie in der Lage das Spiel zu strukturieren und dabei die Bedürfnisse der anderen Kinder zu berücksichtigen. Darin zeigt sich ihre gesteigerte soziale Kompetenz. Oft beobachtet man auch eine große Hilfsbereitschaft.

Mit dem Beginn des Zahnwechsels entsteht die seelische Fähigkeit, Aufgaben zu ergreifen und durchzuführen. Gleichzeitig ist eine größere Geschicklichkeit in Grob- und Feinmotorik vorhanden. Zu diesem Zeitpunkt können die Kinder ihre Vorstellungen in die Tat umsetzen. Hände und Füße sind in der Lage das auszuführen, was der Kopf denkt. Handwerkliche Aufgaben und Handarbeiten werden von Mädchen und Jungen gleichermaßen gerne erledigt. Nun wird auch das Ergebnis ihrer Arbeit bedeutend.

Die Sprache wird differenzierter und individueller und das Gedächtnis abrufbar. Dadurch können die Kinder Erlebnisse und Geschichten folgerichtig erzählen. Der Sinn, mit der Sprache zu spielen, erwacht: Reime werden erfunden („Ene mene mank, da hinten steht ein Schrank, ene mene motten, darinnen sind Klamotten“: Kindermund 5,7 Jahre), Witze erzählt und Wörter neu zusammengesetzt.

Der Umgang mit Zahlen und Mengen wird interessant. Die täglich zu erledigenden Aufgaben, wie Tisch decken oder Stuhlkreis stellen werden deshalb besonders gern ergriffen.
Viel differenzierter können die Kinder nun ihre gemalten Bilder ausgestalten. Gegenständliche Zeichnungen werden mit einer Sicherheit gestaltet, die vorher noch nicht zur Verfügung stand. Muster werden nach selbstgewählten Gesetzmäßigkeiten ausgeführt. Ein besonders beliebtes Vorgehen ist nun das genaue gegenseitige „Abmalen“, eine Vorform des Abschreibens von Buchstaben und Wörtern. Gekrönt werden die Bilder mit dem selbst geschriebenen Namen und gern werden auch die Namen der anderen Kinder „abgeschrieben“.

Das letzte Kindergartenjahr ist geprägt von Aktivitäten, die nur den angehenden Schulkindern vorbehalten sind. Im Folgenden sind sie zusammengestellt. Viele Aufgaben sind im Alltagsgeschehen der altersgemischten Gruppe zu erledigen. Einige Angebote richten sich gruppenübergreifend an alle „Großen“.

Aufgaben im Gruppenalltag:

  • Tisch decken
  • Stuhlkreis stellen
  • Ämterplan für die letzten Kindergartenwochen
  • Botengänge im Kindergarten
  • Selbständiges Einkaufen für die Gruppe im „Grünen Lädchen“
  • Tragende Rollen im Reigenspiel
  • Mitwirkung bei der Aufführung von Puppenspielen
  • Spezielle Angebote innerhalb der Eurythmiestunde

Handwerkliches:

  • Webrahmen bauen (ein Vater aus der Gruppe leitet dazu an)
  • Weben
  • Nähen einer Tasche
  • Fingerstricken
  • Holzzwerge schnitzen
  • Boote bauen
  • Kerzenhalter herstellen

Gruppenübergreifende Angebote in altershomogener Zusammensetzung:

  • „Klingendes Spiel“ (Gruppenangebot einer Musiktherapeutin)
  • Geländespiel: Eine Woche lang spielen wir eine Geschichte, in der Aufgaben mit Kraft, Geschicklichkeit, Einfallsreichtum und Mut zu bewältigen sind.
  • Besuche von Veranstaltungen in der Waldorfschule
  • Schulkinderausflug
  • Märchen hören in der Gruppe der Gleichaltrigen

 

Die vorangegangenen Ausführungen zeigen einen kleinen Ausschnitt, der die Bedeutung des letzten Kindergartenjahres unterstreichen soll.

Ulla Hannemann und Doris Strübing